22.02.2021 Unser Projektpartner SPREEAKADEMIE

Runde Sachen in Raddusch

Lausitzer Perspektiven möchte die organisierte Lausitzer Zivilgesellschaft sichtbarer machen und zueinander bringen. Empfehlungen des IASS Potsdam (2020, S.8) zufolge werden zivilgesellschaftliche Akteure am besten unterstützt, wenn ihre Bedarfe und Funktionen im Strukturwandel erkannt und adressiert. So haben wir auch 2021 unsere Arbeit mit dem Ideal aufgenommen, unser Ohr an lokalen und regionalen Impulsgebenden zu haben und diese zu vertreten. Denn Hand auf´s Herz: die organisierte Zivilgesellschaft ist es, die sich täglich für eine lebenswerte Lausitz einsetzt.

Wir brauchen gar nicht weit zu gucken und fangen in unserem Gemeinschaftsbüro in der „Kaiserlichen Postagentur“ in Raddusch (Vetschau) an: Kennt ihr schon die SPREEAKADEMIE? Das Sozialunternehmen ist Anlaufstelle für Bildungs- und Qualifizierungsangebote rund um nachhaltige Kommunal- und Regionalentwicklung. Die Angebote der SPREEAKADEMIE zielen auf das lokale Engagement von Einzelpersonen, Familien und ortsansässigen Unternehmen ab. Aber auch Vereine und die öffentliche Verwaltung zählen vielfach zu ihren Projektpartnern. In Raddusch und Umgebung sind dies zum Beispiel die Spielvereinigung 1924 e.V., der Radduscher Kunstverein, der Kleingartenverein oder auch die Stadtverwaltung von Vetschau. Sebastian, Marie und Katharina arbeiten also nicht hinter geschlossenen Türen – im Gegenteil! Sie gestalten mit den Bürger*innen auf beispielhafte Weise das Dorf als gemeinsamen Lebensraum. Im Radduscher Dorf-Rundbrief vom Januar 2021 resümiert das Team: „Ihre und Eure Unterstützung macht uns für das neue Jahr Mut! Daher bauen wir darauf, dass wir auch in diesem Jahr gemeinsam dazu beitragen können, Raddusch als Dorf noch ein Stück lebens- und liebenswerter zu machen.“

Dieses Beispiel zeigt, dass lokales Engagement mit entsprechender Unterstützung im Corona-Jahr nicht getrübt oder geschmälert wurde – vielleicht sogar das Gegenteil: in Raddusch ist viel passiert im Jahr 2020 und „Nachhaltigkeit“ wurde weniger „gesagt“, sondern mehr „getan“! Es wurde eine Bürger*innen-Werkstatt eingerichtet und dort ein erstes Repair-Café durchgeführt. Es wurden Insektenhotels gebaut, ein Pyrolyseofen vom ortsansässigen Metallbauer gespendet und ein Workshop zur Herstellung von Pflanzenkohle durchgeführt. Es wurden über das Dorf verteilt gemeinschaftliche Hochbeete gefertigt. Der Sportverein hat ein Back-Port mit Brotbackofen errichtet, der ab diesem Jahr regelmäßig von der Dorfgemeinschaft genutzt werden soll. Bei all diesen Vorhaben war die SPREEAKADEMIE dabei – mal impulsgebend, mal konzeptionell, mal in der Geldbeschaffung, mal organisatorisch. Auch beim Anpacken bringt sich das Team des Sozialunternehmens ein: Wenn 50 neue Laubbäume gepflanzt oder Streuobstwiesen angelegt werden, dann wird das zusammen gemacht.

Wir drücken die Daumen, dass es 2021 munter weiter gehen kann und verfolgen die Entwicklungen. Zu den nächsten Vorhaben zählt ein Pilotprojekt zum Insektenschutz im Rahmen des Bundeswettbewerb Naturstadt. Dabei wird die SPREEAKADEMIE im Auftrag der Stadt Vetschau ein Konzept erarbeiten, wie die dauerhafte Unterhaltung der Fließgewässer mit dem Anlegen und der Pflege von Blühstreifen in Einklang gebracht werden kann. Auch werden vier Kleingartenparzellen in einen permakulturellen Lern- und Gemeinschaftsgarten verwandelt – inklusive Tiny-House mit Solar- und Pflanzenkläranlage. Das größte Vorhaben der SPREEAKADEMIE ist aber das Projekt „Lernen im essbaren Dorf Raddusch“ im Auftrag der Spielvereinigung 1924 e.V. Dabei dreht sich alles um Bildung für nachhaltige Entwicklung in Garten und Küche. In verschiedenen Workshops wird zum Beispiel gezeigt, wie man den Boden mit Pflanzenkohle fruchtbar und Gurken auf natürliche Weise haltbar machen kann. Raddusch als Dorf bietet dafür schon jetzt das ideale Lernumfeld! Der Blick dorthin eröffnet eine erfrischend proaktive und anpackende Perspektive. Die SPREEAKADEMIE packt an, was allzu oft in Schubladen eingelagert wird: Sie zeigt, wie mit der Umsetzung von theoretischen Empfehlungen, Entwicklungsstrategien und Leitbildern konkret begonnen werden kann. Wir wollen weiter hinsehen und berichten!

Quellen:
Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung/ Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS) (Hg.) (2019): Zivilgesellschaft im Strukturwandel. Vereine und Stiftungen in der Lausitz. Online abrufbar: https://www.iass-potsdam.de/sites/default/files/2020-06/IASS_Studie_Zivilgesellschaft_Lausitz.pdf [21-01-27]

Fotocredit: Paul Glaser

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