Diskurs Leitbild


Das gute Leben in der Lausitz – Eine Position aus der Zivilgesellschaft zum anstehenden Leitbildprozess in der Lausitz

In der Lausitz hat ein gesellschaftlicher Prozess begonnen, bei dem ein Leitbild für die künftige Entwicklung der Region erarbeitet werden soll. Dabei geht es um mehr, als hergebrachte Formen der Wirtschaftsförderung mit anderen Mitteln fortzuführen. Ein Leitbildprozess auf Grundlage des Übereinkommens von Paris rückt die Fragen „Wo wollen wir hin?“ und „Wie gewinnen wir Lebensqualität in unserer Region?“ ins Zentrum. Der Prozess eröffnet somit die Chance, ein hohes Maß an Lebensqualität, das „gute Leben in der Lausitz“ ins Zentrum der künftigen Entwicklung zu stellen.
Dafür braucht es neue Formen des Austauschs und der Beteiligung. Wirklich tragfähige Ansätze für die Gestaltung der Zukunft der Region müssen mit dem, was für die Menschen in der Ober- und Niederlausitz wichtig ist, in Einklang stehen.
Als Organisationen der Zivilgesellschaft unterstützen wir ausdrücklich den jetzt beginnenden umfassenden partizipativen Prozess. Wir werden aktiv und mit voller Kraft an einem offenen und transparenten Leitbildprozess für die Lausitz mitwirken. Wir erwarten dabei, dass folgende Eckpunkte bei der Umsetzung des Leitbildprozesses berücksichtigt werden:

  • Mitbestimmung auf Augenhöhe: Neben Wirtschaft und Sozialpartnern, Politik und Verwaltung sollen Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft, und somit auch Organisationen der Zivilgesellschaft in allen Phasen des Prozesses gleichberechtigt mitbestimmen. Es geht darum, Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen der Menschen in der Region bei der Ideenfindung so intensiv wie möglich einzubeziehen. Bürgerinnen und Bürger, die sich an dem Leitbildprozess beteiligen, müssen dies unter vergleichbaren Bedingungen und Teilhabechancen tun können wie hauptamtliche Akteure.

  • Akteure jenseits von Politik und Wirtschaft beteiligen: Die Menschen in der Lausitz sind nicht nur Beschäftigte oder Unternehmer. Jeder von ihnen ist gleichzeitig auch Bürgerin und Bürger. Damit hat ein jeder von ihnen auch Interessen, die jenseits des rein Ökonomischen liegen – denn Lebensqualität in der Lausitz heißt letztlich mehr, als einen gutbezahlten Job zu haben. Bürgerschaftliches Engagement wird gerade in peripheren Räumen immer wichtiger, da hier nicht immer wirtschaftlich tragfähige oder politisch gewollte Lösungen zur Hand sind. Oft sind es soziale Innovationen, die aus dem Gemeinschaftsgedanken der Zivilgesellschaft heraus entspringen und dort Auswege ermöglichen, wo bisher vieles verloren schien. Entsprechend ist es wichtig, diese Kräfte in den Leitbildprozess einzubinden, um die „blinden Flecken“ von Wirtschaft und Politik aufzuspüren und Lösungen greifbar werden zu lassen.

  • Wissenschaftlichen Sachverstand einbinden: Die Komplexität des Strukturwandels wird die Diskussionen im Rahmen des Leitbildprozesses bestimmen. Um diese Debatten fundiert, informiert und sachgerecht führen zu können, ist die gezielte Einbindung wissenschaftlichen Sachverstands in den Leitbildprozess notwendig. Dieser Sachverstand sollte je nach Diskussionsgegenstand flexibel und bedarfsorientiert eingebunden werden können – sei es durch Teilnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Diskussionen, sei es durch Expertengespräche und -anhörungen oder auch durch kurze Gutachten.

  • Die Nachbarn aus Polen und Tschechien an den Tisch holen: Die Lausitz wird ihre Zukunft nicht nur in Bezug auf Brandenburg, Berlin und Sachsen gestalten müssen, sondern auch in direkter Nachbarschaft zu Polen und Tschechien. Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure aus diesen Nachbarregionen sollten am Leitbildprozess teilnehmen.

  • Wir sprechen deutsch, polnisch, sorbisch-wendisch und tschechisch: Geradezu selbstverständlich ist die Beteiligung der in der Lausitz lebenden nationalen Minderheit der Sorben und Wenden. Um eine wirklich gleichberechtigte Beteiligung sorbisch-wendischer sowie polnischer und tschechischer Teilnehmer zu ermöglichen, sollte der Prozess – wo gewünscht und notwendig – mehrsprachig erfolgen.

  • Kinder, Jugendliche und alte Menschen reden mit: Der Leitbildprozess soll den Rahmenbedingungen für ein gutes Leben in der Lausitz gewidmet sein. Dabei geht es insbesondere um die Interessen, Wünsche und Bedürfnisse nachwachsender Generationen. Daher wollen wir eine Teilhabe von Menschen jeden Alters, also insbesondere von Kindern, Jugendlichen und alten Menschen.

Der Vorstand, Großräschen, 11.04.2018


Erklärung unterzeichnen


  • Sascha Scholz

    Neißeaue

    Schulgründer / Lehrer

  • Jürgen Weinreich

    Werder

    Freier Klima-Ingenieur

  • Ellen Wahls

    Berlin

    Kooperationsnetz Friedrichshain e.V.

  • Hans-Christoph Schütt

    Welzow

    Pfarrer

  • Judith Paeper

    Borgsdorf

    Lausitzer Perspektiven

  • Carel Mohn

    Berlin

    Lausitzer Perspektiven

  • Martin Kuder

    Berlin/Forst

    Wertewandel e.V

  • Thomas Burchardt

    Forst

    Klinger Runde

  • Peter Ligner

    Birkenwerder

    Brandenburg 21

  • Hannes Kell

    Wüstenhain

    Lausitzer Allianz - serbski sejm

  • Thomas Zschornak

    Nebelschütz

    Bürgermeister

  • Michael Hacker

    Berlin

    Perspektive Hoch Drei

  • Thomas Pil

    Mittelherwigsdorf

    Kulturmanager

  • Stephan Kühn

    Dresden

    Bundestagsabgeordneter

  • Dagmar Schmidt

    Raddusch

    Perspektivenentwicklerin

  • Martin Schüllow

    Kolkwitz

    Grafiker/Programmierer