Die Rolle der Zivilgesellschaft beim Kohleausstieg | 17.06.2017 | Carel Mohn

Pellworm ist überall

Am 6. Juni 2017 erschien unter dem Titel "Kursbuch Kohleausstieg. Szenarien für den Strukturwandel" eine neue Ausgabe der politischen ökologie. In diesem Band hatte Vorstandsmitglied Carel Mohn die Gelegenheit, in einem Beitrag zusammen mit Josef Tumbrinck die Rolle der Zivilgesellschaft beim Kohleausstieg genauer zu beleuchten. Nachfolgend finden Sie den Beitrag mit freundlicher Genehmigung des oekom-Verlags.

Die Rolle der Zivilgesellschaft beim Kohleausstieg

Pellworm ist überall

Von Carel Carlowitz Mohn und Josef Tumbrinck

Das Unvermeidliche, der Ausstieg aus der Kohle, versetzt ganze Regionen in Unruhe und Unsicherheit. Damit es nicht zu sozialen, wirtschaftlichen und regionalpolitischen Brüchen kommt und die Transformation zu einer postfossilen Lebensweise gelingt, braucht es eine starke Zivilgesellschaft. Sie auf- und auszubauen ist in den Braunkohleregionen kein Selbstläufer.

Es mag abseitig erscheinen, einen Artikel über die Rolle der Zivilgesellschaft beim Kohleausstieg mit einem Ausflug auf die Nordseeinsel Pellworm zu beginnen. Noch abseitiger mag anmuten, bei der Frage, was denn die Zivilgesellschaft zum Strukturwandel weg von der Kohle beitragen kann, zunächst einmal über das Verschwinden und Fehlen der Zivilgesellschaft zu sprechen. Wer die Exkursion dennoch wagt, wird belohnt – und zwar mit einem Blick über die eigene Region hinaus. Und der wird nicht nur in den drei deutschen Braunkohlerevieren viel zu selten gewagt.

Pellworm und mindestens zwei der drei deutschen Braunkohlereviere verbindet zum einen die Demographie. Wie andere ländliche Regionen in Deutschland und Österreich leidet auch die Nordseeinsel Pellworm in besonderem Maße unter Abwanderung und Überalterung. Mit dem Einwohnerschwund wird es immer schwieriger, öffentliche Einrichtungen aufrechtzuerhalten und zu finanzieren. Auch Sportvereine, Freiwillige Feuerwehren, Kulturvereine und Chöre, kurzum: der zivilgesellschaftliche Humus als solcher leidet an Erosion und Nährstoffmangel. Zum Verschwinden industrieller Arbeitsplätze gesellt sich also in Kohleausstiegsregionen auch noch ein handfestes demographisches Problem hinzu – eher kleinräumig wie in Mitteldeutschland oder auf der Ebene der gesamten Region wie in der Lausitz. Gerade dort also, wo die Zivilgesellschaft als Impulsgeber besonders gefragt wäre, ist sie selbst mit am meisten von Schwindsucht betroffen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag...

Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren