Ein Angebot vor Ort „Makerkutsche“: AWO-Jugendarbeiter Frank Thorhauer hat ein mobiles Bastellabor für Jugendliche entwickelt | 14.05.2019 | Ulf Buschmann

Die Offene Werkstatt "Makerkusche"

„Wenn die Jugendlichen nicht zu uns kommen können, kommen wir zu ihnen“ – diese Philosophie steckt hinter der „Makerkutsche“ . Es ist eine mobile Werkstatt für die Mädchen und Jungen in den abgelegenen Orten rund um Lübbenau. Vor Ort können sie ihre handwerklichen und technisch-digitalen Fähigkeiten ausprobieren und festigen. Initiator des Projektes ist AWO-Jugendarbeiter Frank Thorhauer.

Das „EC“ dreht sich auf dem Bildschirm. Es ist eine dreidimensionale, am Bildschirm entwickelte Grafik. Entwickelt aber nicht etwa von Ingenieuren, sondern von Schülern des „Erfinder-Clubs“ des Paul-Fahlisch-Gymnasiums in Lübbenau . Dafür steht das „EC“ – es ist ihr Logo. Der „Erfinder-Club“ ist ein freiwilliges Nachmittags-Angebot. Heute allerdings sind die Erfinder mal vormittags aktiv. Die Siebt- und Achtklässler arbeiten im Freizeitladen des Regionalsverbands Brandenburg Süd der Arbeiterwohlfahrt (AWO) . Anleiter ist Frank Thorhauer. Er nennt sich selbst Jugendarbeiter, ist bei der AWO angestellt, aber im Auftrag des Landkreises Oberspreewald-Lausitz unterwegs.
Wenige Minuten später wechseln er und die Jugendlichen den Raum. Was die Leute unten an den Computern erdacht haben, drucken sie ein Stockwerk höher aus. Leise surrt der 3-D-Drucker vor sich hin. Die Schüler und Frank Thorhauer schauen genau hin: Kommt das Objekt auch so raus, wie am Computer ausgetüftelt? Währenddessen hat Frank Thorhauer Zeit, um dem Besuch ein Detail zu erklären: „Der Drucker gehört zu unserer mobilen digitalen Werkstatt.“

Diese mobile digitale Werkstatt heißt „Makerkutsche “. Träger ist der AWO-Regionalverband Brandenburg Süd. Die „Makerkutsche“ ist das Herzensprojekt von Frank Thorhauer. Dahinter steckt die Idee der klassischen mobilen beziehungsweise aufsuchenden Jugendarbeit. Seitdem die Schulen den Ganztagsunterricht eingeführt hätten, seien die Jugendlichen spät zu Hause, so Thorhauer.

Vor allem in den mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbaren Orten wie Vetschau und Raddusch hätten die Mädchen und Jungen dann kaum noch eine Möglichkeit, an Angeboten wie zum Beispiel der Technikschule „Cleverinside“ in Lübbenau teilzunehmen: „Nach 18 Uhr fährt da kein Bus mehr. Und den Eltern wird es verständlicherweise irgendwann zu viel, ihre Kinder hin- und herzufahren.“ Träger der Technikschule ist übrigens der Jugendförderverein Lübbenau. Dort engagiert sich der Jugendarbeiter seit 15 Jahren ehrenamtlich.

Aus all diesen Erfahrungen heraus ist die Idee für die „Makerkutsche“ entstanden. Auf einem Anhänger ist all jenes Material verstaut, das für Handwerkliches und fürs digitale Arbeiten notwendig ist. Mit dem Equipment fährt der Jugendarbeiter über die Dörfer und ermöglicht den Jugendlichen auf diese Weise, sich kreativ zu betätigen. Dabei legt er Wert darauf, handwerkliches Arbeiten und das Digitale zusammenzubringen. Dazu gehören das so genannte Computer Aided Design, also die Konstruktion von Bauteilen mit dem PC, das Bedienen des 3D-Druckers oder auch einer computer-gesteuerten Fräse – im Fachjargon CNC-Fäse.

„Es muss ein allgemeines technisches Interesse geben, weil wir in einer technisierten Welt leben“, umschreibt der Jugendarbeiter den Grund dafür, ausgerechnet die „Makerkutsche“ auf den Weg zu bringen. Die Jugendlichen sehen in ihrem Alltag technische Dinge, hätten aber keine Ahnung von deren Herstellung. Hinzukomme, dass Technik unsere Kultur beeinflusse und die jungen Leute ihre Bedeutung einordnen können sollen.

Doch nicht nur das treibt Frank Thorhauer an. Ihm ist es wichtig, dass es in einer vom Strukturwandel geprägten Region Angebote für Jugendliche gibt, mit denen sie etwas anfangen können. Bei der Entwicklung weg vom Braunkohleabbau können nach Überzeugung des Jugendarbeiters Projekte wie die „Makerkutsche“ den „Prozess unterstützen, neue Lösungen zu finden und neue Wege zu gehen.“ Für das mobile Angebot spreche zudem, dass sich neue Räume für Jugendliche öffnen. An eine zielgerichtete Berufsorientierung denkt Frank Thorhauer beim Aufbau der „Makerkutsche“ nicht. Ihm geht es in erster Linie darum, sinnvolle Freizeitangebote zu machen.

Erste Überlegungen für ein derart mobiles Angebot hatte er im Jahr 2014. Ein Jahr später stellten die Macher des „Fabmobil“ aus Sachsen ihre Arbeit auf der Digitalmesse „re:publica“ in Berlin vor. Sie verfolgen einen ähnlichen Ansatz wie Frank Thorhauer. Während er das Augenmerk jedoch auf die Technik legt, setzen die Sachsen aufs Design.
Die Kosten für die „Makerkutsche“ beziffert Frank Thorhauer auf 6.000 Euro jährlich oder 500 Euro monatlich. „Dafür“, ist er sich sicher, „kann man kein Jugendzentrum finanzieren.“

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