Der Arbeitslosigkeit vorgebeugt - Reinhard Wolke hat sich bereits vor zwölf Jahren mit seinem eigenen Geschäfts selbstständig gemacht | 01.08.2019 | Ulf Buschmann

Lebensmittel auf Wolke No. 7 - in Lübbenau

Reinhard Wolke hat sich seinen Traum erfüllt. Im Jahr 2007 eröffnete der ehemalige Betriebswirt sein eigenes Lebensmittelgeschäft im Herzen von Lübbenau. Heute ist „Lebensmittel Wolke“ ein Treffpunkt im Ort.

„Ich hätte gerne noch ein paar Äpfel!“ Die Kundin steht vor den Körben mit Obst und Gemüse. Reinhard Wolke greift zielsicher ins Sortiment. „Dieser hier sieht gut aus“, empfiehlt er der Kundin. Andere Leute fragen nach Fleisch, ein Mann schaut sich weiter hinten bei den regionalen Produkten um. Wenn es Mittag ist, holen sich die Menschen ihr Mittagessen. Mal stehen Klöße auf der Karte, dann ein leckerer Eintopf. Gute Hausmannskost geht immer. Auch die selbstgemachten Frikadellen sind ein Gedicht.

„Lebensmittel Wolke“ an der Ehm-Welk-Straße im Herzen Lübbenaus hat einen guten Ruf. Wer dort einkauft, bekommt alles Notwendige für den täglichen Bedarf, täglich wechselnden Mittagstisch und noch mehr: viel Empathie den Kunden gegenüber. Das alles haben sich Reinhard Wolke und seine Familie in den vergangenen zwölf Jahren hart und zielstrebig erarbeitet. Und damit das so bleibt, helfen Reinhard Wolkes Töchter, Jana Wolke und Doreen Bahr mit. Der Rest der Familie – Reinhard Wolkes Frau und die Gatten der Töchter – sind die Stützen im Hintergrund.

Wer den Chef und Doreen Bahr beobachtet, bekommt den Eindruck, dass sie angekommen sind. Etwas anderes als ihr eigenes Geschäft, nein, das können sich die Wolkes und Bahrs nicht mehr vorstellen. Dabei war der Anlass zur Gründung des Geschäfts alles andere als schön. Reinhard Wolke war Betriebswirt bei der Deutschen Telekom. „Mit Ende vierzig sah ich dort für mich keine Zukunft mehr“, sagt er rückblickend. Die Perspektive sei gewesen, später, mit Mitte 50, auf der Straße zu stehen.

Deshalb ergriff Reinhard Wolke die sich ihm bietende Chance: Sein Arbeitgeber bot ihm für sein Ausscheiden eine Abfindung an. Die nutzte der heute 60-Jährige, um sich seine neue Existenz aufzubauen. Tochter Doreen wirft ein: „Papa wollte schon immer seinen eigenen Obst- und Gemüseladen haben.“ Hiermit kennt sich Reinhard Wolke aus, da die Familie seit Jahrzehnten ihren eigenen Acker bewirtschaftet. Die beiden Töchter brachten zusätzliche Kompetenzen als Fleischerei-Fachverkäuferin und Köchin mit ins neue Geschäft ein. Genug wissen für die Geschäftsidee war also vorhanden. Hinzu kam, dass sich die Wolkes keine eigenen Räume pachten mussten – das Geschäftshaus gehört ihnen.

An die aufreibende Anfangsphase erinnert sich Reinhard Wolke noch ziemlich genau. Nur beim offiziellen Gründungsdatum muss er überlegen. Tochter Doreen Bahr hilft nach: „Papa, es war der 21. Februar 2007.“
Doch bevor es richtig losging, sondierte Reinhard Wolke erst einmal die Lage. „Ich habe erst einmal mit dem Bürgermeister gesprochen und alle notwendigen Stellen ins Boot geholt“, erinnert er sich an die Zeit der vielen Gespräche und Behördengänge. Dazu zählen Existenzgründungsberater oder auch die Hausbank. Aus den Gesprächen heraus entwickelte seinen Wunsch nach eigenem Obst- und Gemüsegeschäft erst weiter. Denn: Äpfel, Birnen und Bohnen zu verkaufen funktioniert heute nicht mehr.

Nur wenn es einen Mehrwert gibt, lässt sich ein Kundenstamm aufbauen und halten. Dieser Mehrwert ist einmal das tägliche Mittagessen aus eigener Herstellung. Mehrwert Nummer zweiist die Vielzahl regionaler Produkte. Darauf legen Reinhard Wolke und seine Familie viel Wert. „Das macht hier nicht jeder“, sagt er, „dabei haben wir viel davon.“ Reinhard Wolke zeigt auf als Beispiel auf das Regal, in dem unter anderem der Sanddornsaft steht. Die Produkte aus der Region seien insbesondere bei den Touristen beliebt.

Sie und nicht zuletzt seine einheimischen Kunden schätzen auch, dass Reinhard Wolke das Gemüse täglich frisch aus Cottbus holt. Und was sonst noch zu einem kleinen Geschäft mit Dingen des täglichen Bedarfs gehört, bringt Edeka. Mit dieser Infrastruktur im Rücken kann Reinhard Wolke die Wünsche seiner Kunden erfüllen. Sie ergeben sich im Gespräch. „Was meine Kunden benötigen, landet im Regal“, sagt der Inhaber.

Familie Wolke steht für den Mut, sich sich in Zeiten des Wandels auf eigene Füße zu stellen. Aber damit scheint sie nicht alleine zu sein. Das hat Doreen Bahr festgestellt. „Die Menschen werden mutiger“, sagt sie. Und wie sehen sie und ihr Vater die Zukunft? Beide hoffen, dass sie das Erreichte halten können. Aber auf der Stelle stehen zu bleiben, ist nicht ihr Ding. „Die Dienstleistung muss auch wachsen“, findet Doreen Bahr. Dazu gehören zum Beispiel ein Lebensmittellieferdienst und der Partyservice. Beides bieten die Wolkes inzwischen auch an.

Profitieren könnten auch sie, wenn es gelingt, aus Berlin noch mehr Tagestouristen anzulocken. Dies könne eine Chance für die ganze Region sein. Voraussetzung dafür sei, dass der Flughafen Berlin-Brandenburg endlich in Betrieb gehe. Ihre Rechnung ist einfach: Mehr Touristen in Berlin gleich mehr Touristen im Spreewald.
Wichtig sei bei allen Aktivitäten die Hilfe der Familie. Denn ohne sie würde das Prinzip, sein eigener Herr zu sein, nicht funktionieren, erklärt Reinhold Wolke. Kein Wunder also, dass das Geschäft nicht nur Treffpunkt für die Kunden sei, sondern auch „Familienzentrale“.

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