Lausitz: Weiße Flecken auf der Forschungslandkarte füllen mit außeruniversitären Forschungsinstituten | 22.09.2017 |

Studie empfiehlt mehr Investitionen in die Wissenschaft

Großräschen, September 2017 - Die Forschungslandschaft der Lausitz weist gegenüber anderen Industrieregionen in Deutschland eklatante Lücken auf. Dabei könnte ein gezielter Ausbau von Wissenschaft und Forschung zu einer größeren Wirtschaftskraft, einer deutlich verbesserten regionalen Entwicklung und einer gesteigerten Attraktivität der Region führen. Die Ansiedlung mindestens eines außeruniversitären Forschungsinstituts, etwa eines Fraunhofer-Instituts, wäre ein gewichtiger Faktor. Dies sind zentrale Ergebnisse einer heute veröffentlichten Studie, die sich mit der Bedeutung der Forschungslandschaft beim Strukturwandel in der Lausitz befasst. Auftraggeber der Studie ist Lausitzer Perspektiven e.V., eine Bürgerplattform, die sich für Zukunftsperspektiven für die Zeit nach der Braunkohle einsetzt.

Die Studie untersucht, welchen Beitrag Forschungsausgaben und die Forschungsinfrastruktur für die wirtschaftliche Leistungs- und Innovationsfähigkeit einer Region leisten. Dies wird verknüpft mit einer Bestandsaufnahme der vorhandenen Forschungslandschaft in der Region.

Die Ergebnisse der von Ökonomen der Brandenburgischen Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU CS) erstellten Untersuchung sind eindeutig: staatliche Investitionen für Wissenschaft und Forschung machen sich bei wirtschaftlichen Umbrüchen besonders bezahlt. So wirken gerade in eher peripheren Regionen Hochschulen und Forschungsinstitute als Anker-Organisationen, um die herum sich regionale Wachstumsstrategien entwickeln lassen.
In der Lausitz gibt es kein einziges außeruniversitäres Forschungsinstitut

Die klaren Befunde der Wirtschaftsforschung zum Zusammenhang zwischen Forschungsinvestitionen und Wirtschaftsentwicklung spiegeln sich zur Zeit nicht in den derzeitigen Prioritäten der Landesregierungen, insbesondere auf brandenburgischer Seite. So gibt es in der Lausitz kein einziges außeruniversitäres Forschungsinstitut der großen Wissenschaftsorganisationen Fraunhofer, Helmholtz, Leibniz oder Max-Planck – ein für eine stark industrialisierte Region in Deutschland nahezu einmalige Situation. Die in den letzten Jahren zum Teil deutlich erhöhten Ausgaben des Bundes für die außeruniversitäre Forschung sind damit an der Lausitz vorbeigeflossen. Hinzukommt, dass vor allem in Brandenburg die Ausgaben der Landesregierung für Wissenschaft und Forschung bei vielen Indikatoren am untersten Ende aller Bundesländer rangieren. Damit sind die Voraussetzungen für eine innovationsorientierte Strategie im Lausitzer Strukturwandel bisher denkbar schlecht.

„Mit unserer Studie wollen wir als Lausitzer Perspektiven dazu anregen, die Transformation der Region hin zu einem klimaverträglichen Wirtschaftsmodell jetzt beherzt anzugehen“, sagte Carel Mohn, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Notwendig sei eine Forschungsstrategie für die Lausitz, die den Strukturwandel als Chance begreift und Forschung und Innovation zum Treiber der Entwicklung macht. „Die Gründung eines Fraunhofer-Instituts mit zwei Standorten in Cottbus und Görlitz wäre ein Signal des Aufbruchs: Die zahlreichen sozialen, technischen, ökologischen und planerischen Fragen des Strukturwandels eröffnen Potentiale, gerade für anwendungsorientierte Forschung, die erhebliche positive Wirkungen in die Region hinein haben kann.“

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