Der Kohleausstieg in Deutschland | 16.08.2017 | Sebastian Zoepp

Tausend gute Gründe

Am 6. Juni 2017 erschien unter dem Titel "Kursbuch Kohleausstieg. Szenarien für den Strukturwandel" eine neue Ausgabe der politischen ökologie. In diesem Band hatte das Vereinsmitglied Sebastian Zoepp die Gelegenheit, ein einleitenden Beitrag für diese Augabe zu schreiben. Nachfolgend finden Sie seinen Beitrag mit freundlicher Genehmigung des oekom-Verlags.

Der Kohleausstieg in Deutschland

Tausend gute Gründe

von Sebastian Zoepp

Kein anderer Energieträger heizt dem Klima derart ein wie die Kohle. Sie nicht länger zu verfeuern, ist nahezu gesellschaftlicher Konsens, allerdings sind noch viele Fragen offen. Klar ist, dass der Ausstieg den Rückhalt der Bevölkerung braucht und nicht ohne Fortschritte bei der Energiewende denkbar ist.

Eine Mischung aus Wut und Verzweiflung liegt in der Stimme von Herrn Handreck, wenn er über die zahlreichen Belastungen spricht, die der herannahende Tagebau Jänschwalde seit Jahren mit sich bringt. Seit 2007 haben sie im Dorf kein Grundwasser mehr, nachts hört er die Förderbänder der Abraumförderbrücke quietschen und regelmäßig müssen Sand und Kohlestaub aus der Dachrinne gefegt werden. Seinen Garten muss Herr Handreck inzwischen mit Trinkwasser wässern, durch die mehr als 10 Kilometer lange Zuleitung steigen die Kosten dafür seit Jahren an. Direkt durch Taubendorf führt der Radweg der „Niederlausitzer Bergbautour“, dessen Asphaltschicht wegen tiefer Risse vor zwei Jahren abgefräst werden musste. Durch den Grundwasserentzug war der Moorboden unter dem Radweg abgesackt, der Radweg kaum noch befahrbar. Die Gemeinde Schenkendöbern versucht seither die Kosten beim zuvor zuständigen Bergbaubetreiber Vattenfall und jetzt der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) als Bergschaden geltend zu machen, bisher vergeblich. Nach einem Gespräch mit Herrn Handreck wird klar, dass im Mikrokosmos eines einzigen Lausitzer 100-Seelen-Dorfes genug Gründe zu finden sind, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland zu rechtfertigen.

Blickt man auf die Makroebene und schaut sich den Zusammenhang zwischen der Kohlenutzung in Deutschland und dem Klimawandel an offenbart sich schnell der wichtigste Grund für einen raschen Ausstieg aus der Kohle: Kein anderer Energieträger der deutschen Stromproduktion heizt die globale Erwärmung so sehr an, wie Kohle! Das liegt in erster Linie an ihrem mit 40% nach wie vor großen Anteil am deutschen Strommix. Davon entfallen 23% auf Braunkohle, die überwiegend aus dem Rheinischen, dem Lausitzer und dem Mitteldeutschen Revier stammt und 17% auf Steinkohle, die inzwischen größtenteils importiert wird (1). Zum anderen hat Kohle eine äußerst schlechte CO2-Bilanz. Für jede Kilowattstunde Strom aus Steinkohle werden gut 900 Gramm und für jede Kilowattstunde aus Braunkohle etwa 1.150 Gramm CO2 freigesetzt. Damit war die Kohleverstromung im Jahr 2012 für 80% der Treibhausgasemmissionen der gesamten Stromerzeugung in Deutschland verantwortlich, die Energiewirtschaft verursachte im selben Jahr 40% der deutschen Gesamtemissionen (2).

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