Partnerschaften

von Valentina Troendle

Das Miteinander im Strukturwandel

Am 22. Juni 2021 fanden sich knapp 60 Teilnehmende zu der Online-Veranstaltung „Bestandaufnahme Bürgerbeteiligung – 1 Jahr Strukturstärkungsgesetz – was jetzt?“ zusammen. Wir hatten gemeinsam mit der Bürgerregion Lausitz, der RENN.mitte-Koordinierungsstelle Brandenburg und Brandenburg 21 e.V. zum Austausch eingeladen:

Uns ist es wichtig, zusammenzukommen und gemeinsam die Lage zu sondieren. Nach unserer Gründungsveranstaltung im September und nach einem Jahr Strukturstärkungsgesetz ist es höchste Zeit dafür […]. Nicht zu vergessen ist, dass auch ein Jahr pandemiebedingtes „Einigeln“ hinter vielen von uns liegt.

Auf der Gästeliste standen Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Forschung. Die Teilnahme zahlreicher Vertretender aus Politik und Verwaltung freute uns als Veranstaltende besonders. Moderiert wurde die Veranstaltung von Fritz Walter. Eigens bedanken möchten wir uns bei RENN.mitte für die Finanzierung und für die laufende Kooperation!

Einblicke in unsere Befragung

Valentina Troendle gab in ihrem Impulsvortrag Einblicke in Ergebnisse der Online-Befragung „Engagement und Beteiligung im Strukturwandel“. Diese hatten wir mit Unterstützung von Grit Martinez vom Ecologic Institute zwischen April und Mai durchgeführt.

Unsere Befragung zeigte unter anderem, dass ein Großteil der 108 Befragten den komplexen Wandlungsprozess der Lausitz, der gewöhnlich als „Strukturwandel“ zusammengefasst wird, als sehr relevant empfindet. Gleichzeitig aber sind wenigere unter ihnen bereit, sich aktiv in diesem Prozess zu engagieren. Damit zeigt unsere nicht repräsentative Befragung Parallelen zum repräsentativen Lausitz-Monitor. Dieser stellte fest, dass die Engagementbereitschaft der Lausitzer Bürger*innen im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat, gleichzeitig aber die Befürwortung des Strukturwandels gestiegen ist.

Grafik: undstoffers Designbüro

 

Valentina Troendle erörterte die Engagementbereitschaft der befragten Strukturwandel-Akteur*innen. Auch ging sie auf konkrete (An)Forderungen für eine möglichst ganzheitliche Gestaltung des Wandels in der Lausitz ein. Sie schloss mit einem Diskussions-Impuls:

Die Befragten sehen nicht nur politische Akteur*innen in der Verantwortung, Engagement und Beteiligung gut zu gestalten, sondern auch die Zivilgesellschaft. Aber um den entstehenden (An)Forderungen gerecht werden zu können, müssen Akteur*innen mit entsprechenden Kapazitäten und Handlungsspielräumen ausgestattet werden. Denn es liegt eine große Kraft in den Lausitzer Akteur*innen. Gleichzeitig wird ihnen ihr Engagement nicht leicht gemacht. Ihr Durchhaltevermögen wird auf die Probe gestellt und ist endlich.

Valentina Troendles Präsentation kann hier abgerufen werden.

 

Lausitzer Akteure verbinden – über „Knotenpunkte“ und über diese hinaus

Die Bürgerregion ist ein wachsendes Netzwerk. Vertretende von sechs der aktuellen „Knotenpunkte“ stellten ihre Standorte vor:

Die Struktur der Bürgerregion Lausitz. Grafik: Blendwerck

 

Es folgte ein Austausch in Kleingruppen, jeweils moderiert von den Knotenpunkt-Vertretenden als Gastgebende. Im Anschluss waren sich alle einig, dass eine Stunde dafür zu kurz war! Das gibt den Fingerzeig, dass wir mehr Zeit und Priorität für direkte Gespräche zwischen regional aktiven Menschen brauchen. Ganz unabhängig davon, ob diese in der Verwaltung oder der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft oder der Politik arbeiten. Ein Mitglied des Koordinierungskreises der Bürgerregion reflektierte im Anschluss:

Höhepunkt war für mich die Kurzvorstellung der Knotenpunkte. DA wurde spürbar, WELCHES tolle Netzwerk die Bürgerregion darstellt, regionalräumlich UND thematisch […]. SO wird sehr gut spürbar, was die Knotenpunkt-Struktur […] für den Strukturwandel BRL leisten und beitragen kann!

Spätestens da bestätigte sich, dass es eine gute Idee gewesen war, uns noch vor der Sommerpause – und den vollen Zeitplänen aller Beteiligten zum Trotz – zum Austausch zusammenzufinden.

„Beteiligungs-Cafés“

Zuletzt diskutierten wir anhand von drei Fragen das Thema „1 Jahr Strukturstärkungsgesetz“:

  1. Mit Blick auf die bei der Gründungsveranstaltung der Bürgerregion formulierten Beurteilungskriterien – Wo stehen wir mit der Beteiligung am Strukturwandel?
  2. Wie können wir Bürger*innen motivieren sich beim Strukturwandel zu beteiligen? Und was könnte Ihr eigener Beitrag sein?
  3. Womit/wodurch konkret könnte eine Initiative wie die Bürgerregion Lausitz unterstützt werden – schon jetzt und zukünftig?    

Erneut zeigte sich, welch wertvolles Erfahrungswissen und fachliche Expertise hier im (virtuellen) Raum zusammen saßen. In der Reflektion blieb ein Gefühl der Bestärkung:

Was ich mitnehme? beste Leute und riesiges Engagement vor Ort! Tolle Gegend 🙂

Sehr interessant, hilfreich, und ich nehme ganz viel Zuversicht mit.

Danke – das Engagement und das Echo gibt Kraft 🙂 – ich muss los. Tschüs und auf bald!

Wenn wir uns nicht selbst organisieren, wird es auch kein anderer für uns tun…. aber Eure/unsere Schwungmasse ist doch schon so groß, daß es mit weiterer Beharrlichkeit und Herzblut am Ende doch klappen wird. Dazu wäre es mir noch wichtig, haufenweise und zielgerichtet „Experten“ einzuladen, damit wir uns und die Gemeinschaft weiterbilden können. Denn wir brauchen Input, um unsere Lage im Kontext der Vergangenheit und Geschichte, der Gegenwart und Zukunft und global zu sehen. Das gibt Gesprächsstoff und animiert die Leute auch, auf Ideen zu kommen und mitzumachen.

Danke – und weiter geht´s!

Ja – es lohnt sich, für die Stärkung von Beteiligung im Strukturwandel am Ball zu bleiben. Dazu zählt insbesondere ein konstruktiver Dialog zwischen den involvierten Akteur*innen. Wir danken deshalb besonders den Vertretenden aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die an unserer Veranstaltung teilgenommen haben und aktiv zum Miteinander beitragen.

„Ein Anfang ist gemacht“ – dies war ein wichtiges Fazit und gleichzeitig das Signal, dass wir als Bürgerregion Lausitz weiterhin viel – noch mehr? – zu tun haben werden. Wir wünschen uns und allen Beteiligten frohen Mut, Durchhaltevermögen, entsprechende Unterstützung, (selbst)kritische Auseinandersetzung und positive Resonanz. Denn dann bewahrheitet sich weiterhin, wie Thomas Pilz seine Abschlussworte zur Veranstaltung „Bestandsaufnahme Bürgerbeteiligung“ einleitete: „Zivilgesellschaft ist schön!“

Wir wünschen eine erholsame Sommerpause und freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst!

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